Am "Nordkap" - dem nördlichsten Punkt Österreichs

(Eine Rubrik von www.waldviertel-bilder.at)

Nördlichster Punkt Österreichs im Waldviertel (zur Detailansicht auf die Karte klicken)

Rund 8 Kilometer von der Stadt Litschau im Waldviertel entfernt befindet sich der nördlichste Punkt Österreichs! Obwohl der "Eiserne Vorhang" zur damaligen Tschechoslowakei Geschichte ist, spürt man auch heute noch mit jedem Schritt näher Richtung Grenze diesen Hauch vom "Ende der Welt"!

Mitten in dieser Waldviertler Landschaft taucht die Ortschaft ROTTAL auf:

Eine auf den ersten Blick normale Siedlung, und doch gibt es in Österreich nördlicher von ihr keine andere. Das "Dorf an der Grenze", das nur über Nebenstraßen zu erreichen ist, liegt somit unweit des nördlichsten Punktes Österreichs!

Der in Form eines Baumes konstruierte Wegweiser am Straßenrand mit Kilometer- und Richtungsangaben zu den europäischen Hauptstädten symbolisiert für den Besucher den nördlichsten Punkt:

Allerdings nur symbolisch, denn bis zur tatsächlichen Stelle an der Grenze ist es noch ein Stück zu Fuß (Gehzeit ca. 15 Minuten). Zur Zeit des "Eisernen Vorhanges" wagte es allerdings kaum jemand, weiter vorzudringen. Obwohl noch auf österreichischem Staatsgebiet, war aus Sicherheitsgründen doch ein wenig Distanz zu den damals tschechoslowakischen Grenzwächtern angesagt!

Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei und man kann sich heute ohne Unbehagen Richtung Grenze zur heutigen Tschechischen Republik nähern.

Dieser Wegabschnitt ist übrigens auch das erste Teilstück des bekannten Weitwanderweges "08- Eisenwurzenweg", der eben vom nördlichsten Punkt an sein Pendant, den südlichsten Punkt Österreichs bei Eisenkappel in Südkärnten führt. Laut Wanderführer sind für diese Österreich-Durchquerung in Nord-Süd-Richtung rund 28 Tagesetappen erforderlich. Fürs erste sind wir aber schon mit dem kleinen Wegabschnitt zum "Nordkap" zufrieden!

Vorbei geht es also an idyllischen Häusern. Kurz vor Eintritt in die Waldeinsamkeit trifft man auf ein Gehöft, von dem man sicher sein kann, dass es in Österreich wohl kaum ein nördlicher gelegenes geben wird:

 

Je tiefer es nun in den Wald hineingeht, desto untypischer für das Waldviertel wird die Form der Vegetation: Strukturarme und trockene Föhrenwälder, wie sie eher südlich von Wien vorzufinden sind!

Über einen Hang geht es schließlich in eine Talsenke zu einem Bach hinunter, wobei dieser wieder eher Waldviertler Landschaftsformen erkennen lässt. Es ist ein Bach wie viele andere auch, doch an den dominanten Grenzsteinen ist zu erkennen, dass sein Lauf als "Grenzbach" schon die wichtige Funktion der Grenze zu Tschechien bildet:

 

Wie einfach und verführerisch wäre es, sich mit ein paar Schritten über die Steine im Bachbett kurzerhand in das Nachbarland zu begeben. Anhand der erkennbaren Spuren haben dies schon so manche praktiziert, was den Augen der Grenzwächter nicht entgangen sein wird: Eine Hinweistafel "drüben" weist darauf hin, dass hier kein Grenzübergang sei. Allerdings ist auch dies seit dem Beitritt Tschechiens zum Schengen-Raum im Dezember 2007 Geschichte: Ohne Pass- und Zollkontrollen kann seither die Grenze ungehindert und legal passiert werden.

 

Einige Meter davon entfernt, mündet der Grenzbach in den von Tschechien hereinkommenden und doch um einiges breiteren Neumühlbach ein. Im Mündungsbereich befindet sich also der nördlichste Punkt Österreichs:

 

Ein Blick von "drüben" ...

 

Er gleicht einer Halbinsel inmitten des bachbegleitenden Auwaldes, der aufgrund seiner jahrzehntelangen Abgeschiedenheit eine besondere Wildnis erfahren hat.

Nun - es gibt wahrlich für das menschliche Auge landschaftlich reizvollere Wanderziele als den "Österreichischen Nordkap", doch einmal am nördlichsten Punkt Österreichs gestanden zu sein, ist trotzdem etwas Besonderes!